
Lernen mit Kopf, Herz und Hand
Der Landwert Schulbauernhof e.V. ist ein gemeinnütziger, ökologisch wirtschaftender Verein mit einem generationsübergreifenden Team aus Festangestellten und Freiwilligen. Seit 2010 ist der Schulbauernhof in Stahlbrode ein lebendiger Lern- und Erfahrungsort sowie ein Ruhepol in einer zunehmend schnelllebigen, digital geprägten Welt.
Kinder und Jugendliche haben hier die Möglichkeit, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und Naturverbundenheit mit allen Sinnen zu erleben. Als außerschulischer Lernort vermittelt der Hof anschaulich natürliche Kreisläufe und die Herkunft unserer Lebensmittel.
Während mehrtägiger Aufenthalte übernehmen die Kinder Aufgaben des täglichen Hoflebens, wie die Versorgung der Tiere und das gemeinsame Zubereiten von Mahlzeiten. Durch das eigene Tun erfahren die Kinder, wie viel Arbeit mit der Herstellung von Lebensmitteln verbunden ist und lernen, Fürsorge für eine Gemeinschaft zu tragen.
Wir ermutigen Kinder und Jugendliche, neugierig und offen zu sein, und schaffen Raum für eigene Ideen. Persönliche Kompetenzen wie Selbstständigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Teamfähigkeit entwickeln sich durch die aktive Mitarbeit auf dem Hof ganz selbstverständlich. Herausforderungen und unvorhergesehene Situationen gehören zum Hofalltag und zeigen, dass sich Probleme durch gemeinsames Nachdenken und Anpacken lösen lassen.
Ein besonderes Augenmerk unserer Arbeit liegt auf der Verarbeitung gesunder, nachhaltig erzeugter Lebensmittel. Viele Kinder und Jugendliche haben heute nur wenig Bezug zu saisonalen Abläufen im Jahreskreislauf. Im gemeinsamen Tun und im Gespräch wird erfahrbar, wie individuelles Handeln mit globalen Zusammenhängen verbunden ist.
In einem fehlerfreundlichen Lernumfeld können Fragen gestellt und neue Erfahrungen gesammelt werden. Das hier Gelernte knüpft unmittelbar an den Alltag der Kinder an und stärkt nachhaltiges Denken und Handeln im Sinne der Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE).
Die Arbeit mit den Hoftieren und ihre artgerechte Haltung haben einen hohen Stellenwert. Der enge Kontakt zu den Tieren ermöglicht emotionale Erfahrungen, stärkt Empathie und Fürsorge und fördert Vertrauen in sich und andere. Durch verantwortungsvolle Aufgaben und intensive Zeit auf dem Hof entwickeln Kinder ein Bewusstsein für die eigenen Bedürfnisse und die ihrer Mitwelt. So entstehen Impulse für ein vertieftes Interesse an der Natur und den Wunsch, sie zu schützen.
Eine ausgewogene Balance aus Struktur und Freiraum, Wissensvermittlung und praktischem Handeln schafft ein Lernumfeld, das zum Ausprobieren einlädt und eigene Erfahrungen ermöglicht. Darüber hinaus bleibt Raum für selten gewordene „grüne Langeweile“: Zeit zum Spielen, zum Beobachten, Zeit kreativ zu werden und zum Entspannen in der Natur und im Ostseewind.
So trägt unsere „Lebensschule Bauernhof“ dazu bei, dass junge Menschen ihre Umwelt bewusst wahrnehmen und verantwortungsvoll mitgestalten.
Unsere Umweltbildungsarbeit verfolgt einen möglichst ganzheitlichen Ansatz: Angelehnt an Pestalozzi („Lernen mit Kopf, Herz und Hand“) lernen die Kinder bei uns in kleinen Gruppen durch „selbst tun“ und direkte Erfahrungen.
Durch die geringe Gruppengröße mit jeweils vier bis max. sechs Kindern stellen wir sicher, dass wirklich alle Kinder aus der Zuschauerrolle geholt werden und sich aktiv beteiligen können. Die Arbeitsgruppen rotieren über die Gesamtdauer des Aufenthaltes, so dass jedes Kind in alle angebotenen Themenbereiche einbezogen wird. Wir betreuen die Kinder von 9:00 Uhr bis 12:30 Uhr mit einer halbstündigen Pause. Am Nachmittag besteht zudem die freiwillige Möglichkeit, an der abendlichen Tierfütterungsrunde teilzunehmen. Die Inhalte der Arbeitsgruppen werden altersgerecht und jahreszeitenbezogen angepasst.
Wissensvermittlung und Kompetenzerwerb erreichen wir also vor allem in dem wir die Sinne der Kinder ansprechen. Neue visuelle Impressionen, Gerüche und Geräusche sowie unbekannte haptische Eindrücke gibt es auf einem Bauernhof zahlreich zu entdecken. Innerhalb der Gruppenarbeit versuchen wir, den Kindern für diese Entdeckungen deshalb i m m e r ausreichend Zeit einzuräumen.
Das Leben auf dem Hof kommt dem natürlichen Bewegungsbedürfnis der Kinder entgegen und sie haben abends durchaus zu Recht das Gefühl, ihre Kraft in sinnvolle Arbeit investiert zu haben. Die Erfahrung anderer Schulbauernhöfe hat gezeigt, dass sich, obwohl auf den Höfen in der Regel viele Gefahrenquellen anzufinden sind, es noch auf keinem Schulbauernhof zu schweren Unfällen gekommen ist - und das, obwohl den Kindern viel zugetraut wird - oder eben gerade aus diesem Grund. Wenn die Kinder den Ernst ihres Handelns spüren und ihnen auch der Umgang mit Tieren zugetraut wird, handeln sie verantwortungsbewusst und mit großem Respekt.
Der LandWert Schulbauernhof darf sich seit 2015 mit der NUN-Plakette schmücken. NUN steht für „Norddeutsch und Nachhaltig“ und ist eine länderübergreifende Initiative der norddeutschen Bundesländer MV, Schleswig-Holstein und Hamburg, welche in einem abgestimmten Qualitätsentwicklungsprozess die außerschulische Umweltbildung vorantreiben soll. Getragen und gefördert wird die Zertifizierung vom Landwirtschaftsministerium MV. Weitere Infos zu NUN...
„Schlage nur so viel Holz ein, wie der Wald verkraften kann! So viel Holz, wie nachwachsen kann!“
(Hans-Karl von Carlowitz, 1713)
Dieses Prinzip aus der Forstwirtschaft hat sich angesichts der globalen Herausforderungen der heutigen Zeit zu einem Leitbild des 21. Jahrhunderts entwickelt: dem Prinzip der Nachhaltigkeit. Denn auf lange Sicht dürfen wir nicht auf Kosten zukünftiger Generationen, anderer Regionen oder einer intakten Umwelt leben. Welche Auswirkungen hat unser Handeln heute auf das Leben unserer Kinder und Kindeskinder? Was müssen wir heute verändern, damit diese noch die gleichen Chancen und Lebensvoraussetzungen haben? Seit einigen Jahren wird die „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ (BNE) auch an den Schulen etabliert. Die Kinder sollen durch die BNE neben dem Wissen vor allem Kompetenzen erwerben, um eigenverantwortlich und nachhaltig Zukunft gestalten zu können.
